Von den Falls of Tarf zum Corrour Bothy

08:00 Ein dringendes Bedürfnis weckt uns beide fast gleichzeitig und so ist es vorbei mit der Nachtruhe. Und nachdem wir schon mal wach sind, fangen wir auch gleich mal ganz gemütlich an, unsere Sachen und das Zelt zusammen zu packen.

Der Sonnenschein von gestern hat seine Spuren hinterlassen. Aua ! Sonnenbrand im Nacken ist nicht lustig, und in den Kniekehlen ist er gar nicht lustig !

Oh, ein Halbindianer !

Also muß für heute mehr Sonnenschutz her, denn das Wetter von gestern scheint sich heute zu wiederholen. Die Hosen bleiben folglich in der langen Variante, ich erweitere meine Schirmmütze mit einem T-Shirt als Nackenschutz und Mark setzt durch Verwendung einer Regenhose über Kopf und Nacken völlig neue modische Akzente …

Mode ist KEINE Frage des Geschmacks !

09:30 Abmarsch. Schon mit etwas Wehmut, denn dieser Ort hat für uns eine gewisse emotionale Bedeutung. Also, bis in ca. 20 Jahren wieder !

Der schmale Pfad führt uns immer noch weiter hinauf durch den Glen Tilt bis dieser an seinem oberen Ende nahezu schlagartig in einen breiten, aber nicht weniger spektakulären Strath übergeht. Berge rundum und direkt um uns eine etwas moorige Ebene, mit gutem Untergrund. Hier arbeiten wir uns Stück für Stück wieder nach unten, schrecken immer wieder Moorhühner auf, die empört davonflattern.

Die Trockenheit der vergangenen Tage bewahrt uns vor der kniffligen Aufgabe, den Geldie Burn bei Hochwasser überqueren zu müssen, was ggf. sogar unmöglich sein könnte. Als wir dort ankommen, finden wir nur flaches Wasser in dem breiten Flußbett vor und können fast trockenen Fußes von Stein zu Stein das andere Ufer erreichen. Glück braucht der Mensch !

Geldie Burn bei Niedrigwasser

13:00 Wir sind an der White Bridge, deren Name sich uns aber nicht wirklich erschließt. Dafür holen wir hier in aller Ruhe das bisher ausgefallene bzw. verschobene Frühstück nach. Und wir füllen unsere Wasservorräte wieder auf, die wir bis hierher komplett aufgebraucht haben. Noch immer läßt sich kaum ein Wölkchen sehen, und so brechen wir reichlich schwitzend wieder auf.

Gleich nach der White Bridge biegen wir links ab in das Tal des Dee, der uns auch gleich mit einer kleinen Folge von Wasserfällen empfängt. Weiter nach oben und immer weiter hinauf in das Tal. Was für eine Welt !!! Diese Eiszeittäler prägen ganz Schottland, und man hat das Gefühl, sie würden miteinander wetteifern um den Preis des schönsten, des wildesten, des spektakulärsten, des … was auch immer.

Noch stehen ein paar Kilometer auf dem Programm bis zu unserem Ziel Corrour Bothy, wir machen reichlich Pausen und Photos. Seit dem Abmarsch an der White Bridge spüre ich einen deutlichen Schmerz im rechten Knie, der sich auch nicht legt. Drei Kilometer noch. Aua !

17:20 Am Ziel. Corrour Bothy. Zwei Zelte stehen bereits in der Nähe, doch zu unserer großen Überraschung finden wir das Bothy leer vor. Jetzt aber fix unsere Schlafplätze sichern ! Gesagt – getan ! Und nun trudeln nach und nach ganze Scharen von Wanderern ein, hauptsächlich Jugendliche, die aber alle zelten wollen. Cool, die Hütte gehört uns!

Ich versorge mein Knie mit Salbe, wie es sich morgen anfühlt, werden wir sehen. Essen kochen, Tee kochen, und ein bißchen nach draußen setzen, mit der kleinen Flasche Zaubertrank. Vor diese klitzekleine Hütte mit dem riesiggroßen Ausblick auf „The Devil’s Point“ und hinauf ins „Lairig Ghru“. 

Absolut unbezahlbar !!!


Kommentare

26. Mai – 4. Etappe — 4 Kommentare

  1. Hi Ihr zwei,

    toller Bericht und tolle Bilder. Vielleicht solltet Ihr mal nen Tag Pause einlegen und den

    Flüssigkeitsverlust mit Guinness ausgleichen.

    VG,
    Rolli

    • Hi ! Leider nicht gut. Heute ist aber erst mal Pausentag mit Besuch der Highland Games in Blair Atholl. Für die nächsten Tage arbeiten wir gerade an einem Plan B …

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