Vom Corrour Bothy nach Aviemore

Zur gewohnten Zeit krabbeln wir aus unseren Schlafsäcken, packen zusammen und genießen erst noch etwas den Blick über das Tal in der Morgensonne. Himmel: Blau wie gehabt !

Mein Knie hat sich etwas beruhigt, was auch mich etwas beruhigt. Bis Aviemore muß ich das jetzt durchziehen, dann sehen wir weiter.

09:15 Abmarsch am Bothy. Erst geht es noch ein Stück fast eben weiter, dann wird der Pfad holpriger und es geht nach oben. Hinauf ins Lairig Ghru. Immer wieder einmal ein Blick zurück nach unten, wo die Schutzhütte immer kleiner wird. Und die Berge um uns herum immer größer und mächtiger.

Corrour Bothy am Devil’s Point

Auch das Lairig Ghru macht mit beim Wettstreit der Täler. In zwei sanften Biegungen zieht es sich hinauf bis zum Paß auf 835 Metern. Für Schottland ein beachtlicher Wert !

Lairig Ghru

The Devil’s Point

Lairig Ghru

Fast oben angekommen wird es noch einmal richtig anstrengend. Mühsam bahnen wir uns den Weg durch die groben Geröllfelder rund um die Pools of Dee, zwei kleine Seen kurz vor der eigentlichen Passhöhe. Und hier entdecken wir direkt am Weg ein Schneehuhn, das in Schottland „Ptarmigan“ heißt. Scheint nicht gerade scheu zu sein und läßt sich bereitwillig photographieren. Ganz im Gegensatz zu seinen Verwandten, den Moorhühnern.

Pools of Dee

Mark im Geröll

Kurz vor dem Paß

Gegen 13:00 ist der Paß erreicht und wir beginnen den Abstieg. Holprig und mühsam wie der Aufstieg.  Etwa 600 Höhenmeter müssen wir bis hinunter nach Aviemore abbauen, und das ist auf dem mit groben und großen Gesteinsbrocken gespickten Weg wahrlich kein Spaziergang. An „Strecke machen“ ist da nicht zu denken, aber angesichts der Kulisse, die uns umgibt, gibt es dafür auch nicht den geringsten Grund – im Gegenteil ! Wir gehen langsam und halten oft an, saugen alles in uns auf. Der Himmel zieht sich derweil etwas zu, wir sind deswegen nicht böse, denn es bleibt trocken.

Schneehuhn (Ptarmigan)

Übrigens: Gratulation an dieser Stelle an Thomas Geiger, der mir meine neuen, handgemachten Wanderschuhe auf Maß gefertigt hat – und die ich nie wieder missen will ! Eine der besten Investitionen meines Lebens ! So bequem und sicher war ich noch nie unterwegs !

Auf etwa 450 Metern erreichen wir einen Wald, den ich so noch nicht gesehen habe. Sehr licht und hell und locker, und eine Palette von Grüntönen, die das Auge schier überfordert. Und dieser Märchenwald scheint nie aufzuhören. Wir können ihn genießen, bis wir bei Coylumbridge auf die Straße nach Aviemore treffen.

Wie viele Sorten Grün sind zu erkennen ?

Drei km lästige Asphaltwanderung auf dem Fahrradweg sind noch zu machen, aber immerhin ist die Strecke eben. Im Ort angekommen erschlägt uns fast die Masse an Verkehr, Fahrzeugen und Menschen. Immerhin waren wir drei Tage lang komplett „draußen“ und hatten (bis auf die Nacht um Corrour Bothy) kaum menschliche Begegnungen. Nach ziemlich genau 9 Stunden Fußmarsch erreichen wir unser Quartier, das Park Guesthouse.

Mark schmerzen die Füße, mir schmerzt (jetzt überdeutlich) mein Knie. Seit fünf Kilometern ist der stechende Schmerz wieder da, seit ich einen Stile mit der offensichtlich genau falschen Bewegung überstiegen habe.

Egal. Wir sind da ! Den kompletten Cairngorm Natiinalpark haben wir zu Fuß durchquert !! Was für eine grandiose Erfahrung !!!

Und jetzt, nach der dringend benötigten Dusche (nach drei Tagen Wildnis) – auf zum „Dinner“ in den nahegelegenen Pub mit den leckeren Burgern und den vielen guten Biersorten !

In Schottland eine Rarität !


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27. Mai – 5. Etappe — Keine Kommentare

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