Schon in der Vorplanung haben wir den heutigen Tag von allen Aktivitäten freigehalten. Und das kommt uns (und vor allem mir) jetzt gerade recht !

Da mein Knie immer noch schmerzt – zumindest bei bestimmten Bewegungen, die ich im Gelände nicht sicher vermeiden kann – entscheiden wir uns beim Frühstück, die letzten drei Wanderetappen nicht mehr anzugehen. Die Situation wäre einfach zu riskant, da wir erneut drei Tage komplett „draußen“ wären, ohne bewohnten Anlaufpunkt am jeweiligen Etappenende und ohne einfache Abbruch-Routen.

Aber wir machen das Beste daraus: Heute geht es erst noch einmal mit dem Zug zurück nach Blair Atholl zum „Atholl Gathering“, wo wir die Highland-Games besuchen ! Was für ein Spaß !

Ein paar kleine Videos davon findet Ihr hier:

Atholl Gathering 2017

Und hier ist unser Bericht von den Highland-Games:

*** Heute von Gast-Autor Wullie !!! ***

So, Markus hat gesagt, dass ich heute mal den Blog schreiben darf. Darauf warte ich schon den ganzen Urlaub. Ich frag mich eh die ganze Zeit, warum er derjenige ist, der über Schottland schreibt. Immerhin bin doch ich hier geboren – sieht man ja ganz klar an der schottischen Fahne vorne auf meinem schönen blauen Lambswool-Pullover. Wie auch immer…

Ich berichte Euch heute von unserem Besuch bei den Blair Atholl Highland Games. Wer aufgepasst hat, weiß, dass wir an unserem zweiten Wandertag hier übernachtet haben! Als die Jungs da abends beim Essen waren, habe ich ein bisschen mit der Schnecke an der Rezeption geflirtet. Da hat sie mich gefragt, ob ich am Wochenende nicht mit ihr zu den Spielen gehen möchte. Ich lehnte dankend ab – genauso ihr Angebot mit Ihr aufs Zimmer zu verschwinden!! Was denkt die sich 😱 Die war mindestens 100 Jahre älter als ich….

So habe ich auf jeden Fall von den Spielen erfahren. Als Markus und Mark zurück auf dem Zimmer waren, habe ich Ihnen gleich die Neuigkeiten unterbreitet und vorgeschlagen, dass wir am Sonntag von Aviemore mit dem Zug zurück nach Blair Atholl fahren könnten. Tja, was soll ich sagen, die Jungs waren Feuer und Flamme und lobten mich für meine Idee. Sie wissen halt, was sie an mir haben. Da kann ich dann auch Mark so dumme Sprüche, wie “Sag mal Wully, hast Du schon wieder heimlich Scottish Fudge genascht? Mein Rucksack kommt mir schon wieder 5 Kilo schwerer vor! “ verzeihen. Trotzdem, so ein Penner! Soll lieber mal weniger essen und weniger Bier trinken! Dann würde sich auch der Rucksack leichter anfühlen. Von wegen ich und naschen …

Am Sonntag saßen wir drei dann also im Zug und fuhren auf anderer Strecke als wir gewandert sind zurück nach Blair Atholl. Auf der Fahrt habe ich die Jungs erst mal aufgeklärt, was es mit den Highland Games überhaupt auf sich hat. Manche sagen, dass bereits König Malcolm der Dritte von Schottland im 11. Jahrhundert der Urvater der Highland Games ist. Er ließ die schnellsten Läufer des Landes gegeneinander antreten um den künftigen königlichen Nachrichtenüberbringer zu küren. Andere sagen, dass die Spiele erst Anfang des 18. Jahrhunderts durch ein entsprechendes Treffen des Clan Grant ihren Anfang nahmen – oder sogar erst eine viktorianische Erfindung sind, also im 19. Jahrhundert anfingen. Ich sage Euch alles Humbug! Mein Opa, der schottische Urbär, der noch mit seinen eigenen Tatzen die Lachse aus dem River Tay gefischt hat, der hat mir verraten, dass schon die Kelten mit Steinen geworfen haben und so bei jedem Highland Game ein neuer Steinkreis entstanden ist. Macht doch Sinn, oder 😉

Die Spiele sind von Veranstaltung zu Veranstaltung anders. Was aber immer gleich ist, sind die Wettkämpfe im Dudelsack spielen. An zig Ecken stehen Musiker und spielen vor den Wertungsrichtern. Überall dudelt es. Herrlich!! In Blair Atholl gibt es ja auch ein wunderschönes weißes Schloss. Und dem Duke of Atholl hat damals die Königin Victoria das Recht zugestanden eine eigene Privat-Armee zu haben. Die gibt es heute noch und ist somit die einzige Armee dieser Art in Europa!! Die Atholl Highlanders. Die durften dann hinter der Dudelsack-Kapelle hinterherlaufen. Ich muss echt sagen, da waren schon ein paar echt alte und vor allem Dicke Soldaten dabei. Einer von denen hat mich an den Faxe von Wicke erinnert. Hi, hi, hi.

Nun aber zu den heutigen Disziplinen. Das bekannteste Spiel heißt Tossing the caber. Da müssen die Teilnehmer einen Baumstamm so werfen, dass er mit dem anderen Ende auf dem Boden aufkommt und dann auf die andere Seite fällt. Für einen Bären sehen die Zahnstocher, die die Menschen Bäume nennen, lächerlich dünn aus. Aber bitte, die Menschen haben ja auch nur dünne Ärmchen…

Eine andere Disziplin heißt “Throwing the Hammer”. Ja, ja da werfen die mit net echten Vorschlaghammer durch die Gegend. Total irre….
Eine Sache, die bisher nur hier gesehen habe, war Kanonenschieben. Ja, richtig gelesen. Die schieben eine Kanone um die Wette. Wenn man das unbedingt braucht, na dann bitte. Sollen sie doch. Ein Bär würde sich dafür nicht hergeben !

Dann gab es auch noch Wettrennen, Tauziehen und tolle schottische Tänzer. Selbstverständlich gab es da auch was zu Essen und zu Trinken. Ganz viel Haggis und Wild-Burger und viel Bier. Ja, und ganz viel Scottish-Fudge. Dann habe ich dann kräftig … äh … ich meine … Nein, ich doch nicht !

Dann ging unser Zug wieder zurück nach Aviemore und wir blickten zurück auf einen phantastischen, sonnigen Tag mit bester schottischer Kultur! Ich habe mich gefühlt wie zu Hause. Ähm, ach ja bin ich ja auch 😀

Liebe Grüße aus Schottland,

Euer Wullie !


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